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Geht es dem Boden gut, geht es uns allen gut.

Was mich als Gemüsebäuerin bewegt? Als Konsumentin meiner eigenen Produkte ist es eindeutig Frische, Geschmack und Vielfalt auf meinem Teller. Als Gemüsebäuerin ist es das Bodenleben. 

 

Ich bin mit und in der konventionellen Landwirtschaft aufgewachsen. Mein Vater hat sogar eine Saatgutfirma vertreten und Maissaatgut in der Region verkauft. Inzwischen gehört diese Firma Monsanto, die nun inzwischen Bayer gehört. Und inzwischen existiert unsere Family Farm in Wisconsin nicht mehr.

 

Die Bio-Bewegung finde ich positiv, sie ist mir aber nicht genug. Die Zertifizierung entwickelt sich in eine perverse Richtung. Vor kurzem habe ich eine Werbung von einer Gewerbeartikelfirma auf Facebook gesehen, die stolz informiert hat, dass sie bio-zertifiziert sind. Wie bitte? Sinnlose Werbeartikel, die auf dem Müll landen, ob aus Naturrohstoffe oder nicht, kann nicht im Sinne der Bio-Bewegung sein.

 

Als ich mich 2016 entschied, Gemüse für andere anzubauen, habe ich mich einer regenerativen Landwirtschaftspraxis verpflichtet. Regenerativ, d.h. erneuernd bzw. wiederherstellend, war nicht unbedingt notwendig, denn das Feld, wo jetzt der Küchengarten steht, war jahrelang unverseuchte Wiese. Mein Weg zu dieser Entscheidung war nicht leicht. Ich musste meine Annahmen und (Selbst-)Verständnisse über landwirtschaftliche Praxis aus meiner Kindheit überprüfen, umdenken und neu denken.  Solche Umlernprozesse sind mühsam, aber es hat sich gelohnt.

 

Das Bodenleben wird oft ausgeblendet, auch in "tierethischen" Diskussionen, die teils auf niedrigstem Niveau derzeit in den Sozialmedien geführt werden. Auch ich wurde von Veganer-Trolls auf meiner Facebook-Seite besucht, zuletzt wurde Sarah Wiener auf ärgster Weise nach einem Beitrag zum Thema Mandelmilch attackiert.  Mein Standpunkt: Wir sind alle auf die tierische Welt angewiesen, ob eine Diät mit oder ohne Fleisch, Eier und Honig. Die aktuelle Sensibilisierung für unsere vierbeinigen Freunde verstehe ich. Mir geht es in diesem Beitrag über die gesamte Tierwelt, vor allem die unsichtbaren Lebewesen, die uns letztendlich ernähren.

 

Denn dank meiner Umschulung tut mir - genauso wie falsche Tierhaltung - ein gepflügtes Feld oder umgestochener Garten weh.  Noch mehr weh tut es, wenn der Boden ungeschützt den Elementen ausgesetzt ist, wie oft die Felder im Spätherbst und Winter zu sehen sind. Deswegen grabe ich nicht um sondern lege Kompost und Hackschnitzel aus (siehe Foto). Zwecks Auflockerung arbeite ich nur mit der Biograbgabel, um Luftkanäle für Sauerstoff zu schaffen. Auch bei dieser schonenden Art der Bodenauflockerung springen die Erdwürmer, die vertikal tief in den Boden graben, auf die Oberfläche und lassen mich wissen, dass ich ihre Ruhe gestört habe. Auf Basis ihrer Größe sind manche von ihnen über 10 Jahre alt! Ich begrüße sie und entschuldige mich, zugleich gestehe ich, sie lösen in mir Freude aus, wenn sie sich sehen lassen. Der Boden lebt!

 

Die horizontal grabenden Würmer, die unter der Oberfläche das organische Material im Kompost und Hackschnitzel fressen, störe ich auch immer wieder, gerade wenn ich aussäe oder jäte oder eine Gewebeplane entferne. Spannend ist gerade das Jäten. Es passiert nicht selten, dass kleinere, rote Würmer an den Wurzeln des "Unkrauts" hängen, weil sie dort Nährstoff finden, vor allem Zucker. Im Großen und Ganzen leben wir, die Würmer und ich, aber friedlich miteinander.  Mehr über die Arten von Würmer und ihre Aufgaben finden Sie hier auf www.bioaktuell.ch.

 

Der Boden ist aber zuhause für ganz viele Lebewesen und Tiere über die Würmer hinaus. Das Problem ist, die meisten sind unsichtbar für uns. In einem Teelöffel gesunder Erde sind mehr Organismen als es Menschen auf der gesamten Welt gibt! Die Wissenschaft ist erst seit 20 Jahren dran, das hoch komplexe Bodenleben zu entdecken und verstehen. Eine schöne, vereinfachte Darstellung von dem gesamten Lebenszyklus ist hier. Jedenfalls sind Mikroorganismen, Bakterien, Insekten und Fungi für mich genauso "Nutztiere" wie Kuh und Co. Jeder Mitbewohner, der zum unterirdischen Ökosystem im Küchengarten beiträgt, ist ein wichtiger Mitarbeiter. Deshalb schaue ich darauf, dass es ihnen möglichst gut geht und meine Praxis möglichst nicht invasiv ist - auch wenn ich sie nicht sehen kann und die Wissenschaft noch nicht alle nennen kann.  

 

Fazit: Auf das Bodenleben kommt es an! Von Mikroorganismen und Bakterien zu Würmer und Käfer, das Ökosystem unter der Oberfläche ist unsere Lebensquelle. Geht es ihnen gut, geht es uns allen gut. Und jedenfalls den vielfältigen Gemüse im Küchengarten!

 

PS: Die einzigen, die bei mir wirklich nicht willkommen sind, sind die Wühlmäuse. Sie vermehren sich schnell, zerstören viel und fressen das Gemüse heimtückisch von unten. Aber das ist ja eine andere Geschichte.

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