Meine Beweggründe


Foto: Kary Wilhelm, 2017
Foto: Kary Wilhelm, 2017

Servus!

Ich bin Tanja und kultiviere seit 2017 Gemüse und Kräuter an einem gepachteten Feld auf 850m Seehöhe am Hattingerberg in Tirol. Darin wachsen vielfältige, überwiegend alte Sorten aus aller Welt, die selten wenn überhaupt in Supermärkten und Bauernläden zu finden sind. Über 400 Sorten wachsen natürlich nach biologischen und agrarökologischen Prinzipien in einem einzigartigen Mikroklima auf einem kleinen, feinen Tiroler Plateau.

 

Was ist ein Küchengarten?

Ein Küchengarten (auch "Feldgarten" oder "Potager") ist ein Garten, wo Gemüse, Obst und Kräutern erzeugt werden, traditionell um eine Herrschafts- oder Klosterküche zu versorgen. Wer frische, schmackhafte, reine Lebensmittel mit Freude und Leidenschaft für das Gute im Leben  gerne zubereitet, wird bei mir fündig.  -> Kochen und Veredeln

 

Warum ich das mache?

Vielfalt am Teller hängt von Vielfalt am Feld ab. Ich baue Gemüse und Kräuter an, weil ich und meine Kunden sonst diese Arten und Sorten nicht bekommen, aber auch weil es sinngebend ist, weil es mir dabei gut geht, weil es Freude macht, weil es spannend ist, weil ich stets am Lernen bin, weil ich Vertrauen im Lebensmittel brauche, weil es den Bienen und allen anderen Lebewesen gut tut, weil ich gutes Essen genieße, und und und. Be-Grün-Dungen gibt es genug!

 

Was mich bewegt?

Zunächst sind es die Kinder, die mich im Garten besuchen und Freude daran haben, Erdbeere frisch von der Pflanze zu genießen, die Lebewesen im Garten liebevoll bewundern, und strahlen, wenn sie eine Karotte ziehen.

Aber auch, weil ich diese Arbeit wert-voll empfinde. Schon in jungen Jahren lernte ich das Hegen und Pflegen eines Gemüsegartens, das Ernten, das Kochen und das Konservieren von frischem Obst und Gemüse.  Seit ich die selbstversorgende Family Farm meiner Familie in Wisconsin verließ, habe ich immer "gegartelt" und das, was der Garten hergab, mit Freude genützt und geteilt, ob Gemüse und Obst, Setzlinge, Abstecker oder Samen. Über die Jahre ist meine Sehnsucht nach Gemüse direkt vom Garten gewachsen, insbesondere nach den Zutaten, die selten wenn überhaupt im Supermarkt oder Bauernladen zu finden sind, unter anderem die knackig-frische Süße von frischen Erbsen, der komplexe Geschmack von alten Tomatensorten, die unvergleichbare Süße von Zuckermais direkt nach der Ernte, das erstaunliche Spektrum an Geschmack und Farbe unter dem "Grünzeug" - von Grünkohl, Mangold und Co über asiatischen Blattsenf  - sowie die feinen Nuancen unter den Kräutern in sämtlichen Farbtönen und Aromen.

 

Warum jetzt?

Es stimmt, ich begann in einem späteren Alter.  Nach viel Glück im Unglück bei einem Unfall 2016, fragte ich mich, was ich noch in und mit meinem Leben machen will und die Antwort war sofort da: Gemüse professionell anbauen. Dann entdeckte ich, dass eine neue Generation von hart arbeitenden und höchst professionalisierten Alt- und Jungbauern/bäuerinnen den kleinskalierten Ackerbau in Nordamerika und Großbritannien unter dem Stichwort "Market Gardening" wiederaufleben lassen. Dabei haben sie nicht nur den Ertrag ihrer Feldern vor Augen sondern auch die Gesundheit von Natur und Mensch. Nun schlug ich einen neuen Weg in meiner Lernbiographie ein, oder vielleicht besser:  viele wertvolle Umwege brachten mich wieder auf meinem ursprünglichen Weg? Jedenfalls erkannte ich, dass die Zeit nun reif war, mein Wissen und meine Erfahrung in der Wirtschaft, im Ackerbau und in der Pädagogik mit meiner Sehnsucht nach guten, vielfältigen Lebensmitteln zusammen zu führen.

Inzwischen entwickelt sich Market Gardening auch in Österreich. Mehr darüber können Sie in meinem Blog dazu hier erfahren. 

 

Meine Philosophie?

"Einen positiven Beitrag leisten" lautet seit langem mein Lebensprinzip. Noch wichtiger ist aber mein Stehsatz für das, was ich im Küchengarten tue: "Growing food is a cultural act." Es ist eine kulturelle Handlung Gemüse anzubauen, ebenfalls wie Essen eine landwirtschaftliche Handlung ist. Dieser Stehsatz - "Eating is an agricultural act." - kommt von Wendell Berry, einem amerikanischen Dichter, Literaturwissenschaftler und Bauer. Aus seiner Sicht wissen wir erst das Essen zu schätzen, wenn wir die Verbindung zwischen Acker und Lebensmittel erkennen. Nachhaltigkeit beginnt bei der Produktion von Lebensmitteln, allerdings vollendet sie sich erst bei der Kaufentscheidung und Verarbeitung des Konsuments. Wir sind miteinander und mit der Natur verstrickt. Vielleicht ist deshalb mein Arbeitsplatz zu einem Ort der Ruhe und Lebensfreude geworden. (Schauen Sie mal vorbei! Von Mai bis Oktober gibt es Gartenführungen. Mehr zu den Terminen und Events hier.)